Pressemitteilung



 
13.04.2010
Afghanische Kinder werden unentgeltlich im Dreifaltigkeits-Krankenhaus operiert Plastische Chirurgie behandelt durch Minen und Feuer verursachte Wunden
Drei Finger hat Zubair durch eine Mine verloren, auch sein Gesicht wurde schwer in Mitleidenschaft gezogen. Nasibullahs Füße wurden dagegen durch ein Feuer verstümmelt: Es sind nur zwei von unzähligen Schicksalen im Krieg und Terror von Afghanistan. Doch den beiden Neunjährigen wird nun mit modernster Medizin geholfen: Das Friedensdorf Oberhausen hat die Jungen in Zusammenarbeit mit dem Roten Halbmond - dem Pendant zum Roten Kreuz - nach Deutschland geholt. Hier werden sie von den Ärzten der Plastischen Chirurgie im Dreifaltigkeits-Krankenhaus Wesseling behandelt und operiert. Die Kosten von rund 60.000 Euro dafür trägt das Krankenhaus bislang selbst.

„Wir haben keinen Moment gezögert, als wir vom Leid der Jungen gehört haben", sagt Dr. Johannes Güsgen, Geschäftsführer der Maria Hilf NRW gGmbH, zu der das Dreifaltigkeits-Krankenhaus gehört. „Wir sehen es gerade angesichts der christlichen Tradition unseres Hauses als selbstverständlich an, mit unserem Know-how zu helfen - unabhängig von den Kosten." Bereits in der Vergangenheit hat das Dreifaltigkeits-Krankenhaus mehrfach die Operationen von Hilfsbedürftigen aus Krisengebieten übernommen. Spenden sind dennoch willkommen und gehen an: Freunde und Förderer des Dreifaltigkeits-Krankenhauses Wesseling e.V., Kreissparkasse Köln, BLZ 370 502 99, Konto 0132 008 530, Verwendungszweck: „Afghanische Kinder." Schirmherr der Hilfsaktion ist der CDU-Vorsitzende Rhein-Erft, Gregor Golland. „Ich bin fasziniert zu sehen, was hier in Wesseling medizinisch möglich ist", betont der Politiker. „Und ich möchte dazu beitragen, dieser Hilfe eine Öffentlichkeit zu verschaffen, damit viele Spenden zusammenkommen."

Die Behandlung im Team der Plastischen Chirurgie von Chefarzt Dr. Dirk Richter führt Dr. Marc Weihrauch durch - ein Spezialist für die sogenannte rekonstruktive, die „wiederherstellende" Chirurgie. „Nasibullah und Zubair waren anfangs durch ihre Erlebnisse traumatisiert", erklärt Dr. Weihrauch. „Aber sie haben schnell Vertrauen gefasst und sind in ihrem Schicksal unglaublich tapfer." Eine Dolmetscherin und eine Betreuerin des Friedensdorfes stehen den Jungen ebenfalls zur Seite. Jeweils eine Operation haben die Beiden bereits hinter sich: An Nasibullahs rechtem Fuß wurden Narbenstränge entfernt, die als Folge der Verbrennungen den Fuß nach oben wachsen ließen. Bislang konnte der Neunjährige deshalb nur auf der Ferse laufen. In einigen Wochen soll die Operation am linken Fuß folgen: Hier hat sich eine Narbe gebildet, die dazu führt, dass sich die Zehen quasi in die eigene Sohle krallen.

Eine besondere Herausforderung stellen die Handverletzungen Zubairs dar. Die Mine zerstörte seinen Daumen sowie den Zeige- und Mittelfinger. „Wir haben bei der ersten Operation Zubairs Hand in seine Leiste eingenäht", beschreibt Chefarzt Dr. Richter die plastische Vorgehensweise. „Dadurch können sich die Blutgefäße, das Gewebe und die Haut an der Hand regenerieren." Außerdem wurde ein Stück Beckenknochen als Daumenersatz eingefügt. „Zusammen mit dem erhaltenen Ringfinger und dem kleinen Finger kann Zubair bald wieder greifen", sagt Dr. Weihrauch. Nach drei Wochen soll im Dreifaltigkeits-Krankenhaus eine weitere OP folgen, um die Hand wieder von der Leiste zu trennen. Auch die Vernarbungen in Zubairs Gesicht können bereits bei der nächsten Operation mit aufwändigen Gewebeverpflanzungen aus Bein und Rücken behandelt werden, ein Eingriff auf höchstem technischen Niveau: Mit Lupenbrillen und feinsten mikrochirurgischen Instrumenten. Denn beispielsweise gilt es bei der Verpflanzung, 1-2 Millimeter dünne Blutgefäße miteinander zu verbinden.

Nach dem Aufenthalt im Dreifaltigkeits-Krankenhaus Wesseling bleiben die Kinder noch für einige Wochen zur Rehabilitation im Friedensdorf Oberhausen. „Hier leben sie mit anderen Kindern aus aller Welt zusammen und werden auf vielfältige Weise betreut, bevor sie in ihre Heimat zurückkehren", erklärt Claudia Schürmann-Evers vom Friedensdorf. Medizinisch sieht alles gut aus für die beiden Jungen: „Mit dem bisherigen Verlauf der Behandlungen sind wir schon sehr zufrieden", sagt Chefarzt Dr. Dirk Richter. „Bei allen widrigen Umständen in ihrem Heimatland wollen wir zumindest aus medizinischer Sicht dazu beitragen, dass Nasibullah und Zubair ein glückliches Leben führen können."

 

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